Um 1800 stellte sich die akademische Antrittsrede als eine literarische Inszenierungspraktik in den Universitätsstädten Jena und Berlin heraus. Professoren, die bislang nur vor einem gelehrten Publikum gesprochen haben, wandten sich nun an eine breite Öffentlichkeit zur Beglaubigung ihrer Gedanken. Adressatenorientiert legten die Philosophen Fichte, Hegel und Schelling in ihren Erstvorlesungen das programmatische Verständnis ihrer Ideenlehren dar.

In dieser Textsorte spiegelt sich zusätzlich die Konstitution einer autonomen Geschichtswissenschaft wider. Unter dem Titel ‚Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?‘ gab Schiller 1789 die wohl bekannteste Antrittsrede um 1800 heraus. Auf die literarische Gestaltung dieser Vorlesungen wirkte sich nicht nur die klassische Rhetorik aus. Unter dem Einfluss der Genieästhetik stieg die Antrittsrede zu einem performativen Medium auf, das nicht nur den Verstand, sondern auch den ganzen Menschen ansprechen sollte.

 
 
 

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Erika Thomalla in: Zeitschrift für Germanistik, XXIX – 1/2019, 176ff

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Hendrikje Schauer in: Geschichte der Germanistik, 53/54 (2018), 175

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Till Kinzel in: Informationsmittel (IFB), 26.4 (2018) [#5988], URL: http://informationsmittel-fuer-bibliotheken.de/showfile.php?id=9368

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