Aristoteles in Fes

Zum Wert der arabischen Überlieferung der ‚Nikomachischen Ethik’ für die Kritik des griechischen Textes



Die ‚Nikomachische Ethik’ des Aristoteles ist in Bagdad um 830 von Eustathios (Usṭāṯ ) und um 870 von Isḥāq ibn Ḥunain ins Arabische übersetzt worden. Erhalten ist davon eine einzige Handschrift in der Qarawīyīn-Moschee in Fes in Marokko, in der die Bücher I-IV die Version des Isḥāq und die Bücher V-X die des Eustathios wiedergeben. Beide Übersetzungen gehen auf griechische Handschriften zurück, die älter als die erhaltenen Codices waren. Gegenüber den Editionen von Bywater und Susemihl-Apelt weisen die arabischen Texte zahlreiche Varianten auf; diese sind zum Teil durch griechische Codices (insbes. den Cod. Laurentianus) oder die lateinische Version des Robert Grosseteste (13. Jh.) bezeugt, zum Teil bisher unbekannt. Unter den zu erschließenden „neuen“ Lesarten gibt es etwa ein Dutzend Fälle, durch die Korruptelen der griechischen Codices geheilt werden können. Die arabische Tradition muß daher bei einer Neuedition des griechischen Textes unbedingt berücksichtigt werden.

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G. de Longcamp in: Nouvelle Revue Théologique, Tome 137/1 (2015), 155

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Guillaume Dye in: Exemplaria Classica, Vol 17 (2013), 435ff